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Gedichte/Tipps

Gedicht des Monats - März 2020

Abend

Der schnelle Tag ist hin; die Nacht schwingt ihre Fahn’
und führt die Sternen auf. der Menschen müde Scharen
verlassen Feld und Werk; wo Tier und Vögel waren,
traurt itzt die Einsamkeit. Wie ist die Zeit vertan!

Der Port naht mehr und mehr sich zu der Glieder Kahn
Gleich wie dies Licht verfiel, so wird in wenig Jahren
ich, du, und was man hat, und was man sieht, hinfahren.
Dies Leben kommt mir vor als eine Rennbahn.

Laß, höchster Gott, mich doch nicht auf dem Laufplatz gleiten!
Laß mich nicht Ach, nicht Pracht, nicht Lust, nicht Angst verleiten!
Dein ewig heller Glanz sei vor und neben mir!

Laß, wenn der müde Leib entschläft, die Seele wachen,
und wenn der letzte Tag wird mit mir Abend machen,
so reiß mich aus dem Tal der Finsternis zu dir!

Andreas Gryphius

Bildquelle: Wikipedia

Tipp des Monats: Baiser

Baiser wird fester und lässt sich besser verarbeiten, wenn man das Eiweiß mit einigen Spritzern Zitronensaft und etwas Speisestärke steif schlägt. Kuchen mit Baiserhauben lassen sich mit einem heißem, gefetteten Messer glatt schneiden oder durch Spritztüllen in Form bringen.

Kölle Alaaf!

Ein Bischof aus Köln hatte seinen Papagei gelehrt, ihn mit dem Ruf „Guten Morgen, Herr Bischof!“ zu begrüßen. Dann wurde der Bischof zum Kardinal ernannt. All seine Versuche, dem Papagei die neue Anrede beizubringen, verliefen ergebnislos im Sande. Da verlor der frischgebackene Kardinal die Geduld, legte seine prächtigen Gewänder an, nahm Mitra und Hirtenstab und trat vor den Papagei, um ihn Ehrfurcht zu lehren. Verdutzt schaute der Papagei den Kardinal an, legte dann den Kopf schief und rief: „ Kölle Alaaf !“

Mündlich überliefert

Gedicht des Monats - November 2019

Ende des Herbstes

Ich sehe seit einer Zeit,
wie alles sich verwandelt.
Etwas steht auf und handelt
und tötet und tut Leid.
Vom Mal zu Mal sind all
die Gärten nicht dieselben;
von den gilbenden zu der gelben
langsamem Verfall;
wie war der Weg mir weit.
Jetzt bin ich schon bei den leeren
und schaue durch alle Alleen.
Fast bis zu den fernsten Meeren
kann ich den ernsten schweren
verwehrenden Himmel sehn

Rainer Marie Rilke

Gedicht des Monats - Dezember 2019

Weihnachtslied

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern herniederlacht;
Vom Tannenwalde steigen Düfte
Und hauchen durch die Winterlüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend, staunend muss ich stehen;
Es sinkt auf meine Augenlieder
ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl’s, ein Wunder ist geschehen.

Theodor Storm